Hortensien gehören weltweit zu den beliebtesten Blütensträuchern, geschätzt für ihre üppigen Blütenbälle, die Gärten und Floristik im Nu bereichern. Nebst der visuellen Pracht fasziniert Gärtner besonders die einzigartige Fähigkeit der Grossblättrigen Hortensie, ihre Blütenfarbe basierend auf dem Bodensäuregrad zu wandeln. Eine fundierte Pflege, die vom optimalen Standort über den gezielten Schnitt bis hin zur Regulierung des pH-Werts reicht, ist unerlässlich, um das volle Potential dieser vielseitigen Pflanze zu entfalten.
Vielfalt der Hortensienarten und ihre Bedürfnisse
Die Gattung Hydrangea umfasst verschiedenste Arten, die sich in Wuchsform, Blütenstand und Pflegeansprüchen unterscheiden. Ein Verständnis der spezifischen Charakteristika ist der Schlüssel zur erfolgreichen Kultivierung:
- Grossblättrige Hortensie (H. macrophylla): Diese Art trägt runde oder schirmförmige Blüten und ist die bekannteste Sorte für den Farbwechsel (Rot, Rosa, Violett, Blau) in Abhängigkeit vom pH-Wert des Bodens. Sie blüht am alten Holz.
- Rispen-Hortensie (H. paniculata): Erkennbar an den kegelförmigen Blüten, die von Weiss zu Rosa oder Rot übergehen. Sie ist äusserst frosthart, blüht am neuen Holz und reagiert nicht auf den Säuregrad zur Farbanpassung.
- Wald-Hortensie (H. arborescens): Mit meist weissen, kugelförmigen Blüten (wie ‘Annabelle’) ist diese sehr robuste und pflegeleichte Art besonders kälteresistent und blüht ebenfalls am neuen Holz.
- Eichenblatt-Hortensie (H. quercifolia): Auffällig durch ihre eichenförmigen Blätter, die im Herbst eine spektakuläre rötliche Färbung annehmen. Sie bevorzugt einen leichten Rückschnitt nach der Blüte.
- Kletter-Hortensie (H. anomala subsp. petiolaris): Ideal zur Begrünung von Mauern und Pergolen, mit weissen, schirmförmigen Blüten.
Standortwahl und Bodenzusammensetzung
Die meisten Hortensien gedeihen optimal an einem halbschattigen Standort, wo sie die Morgensonne geniessen, aber vor der intensiven Mittagshitze geschützt sind. Dies beugt Blattverbrennungen vor und fördert die Blütenbildung.
Der Boden muss gut durchlässig und nährstoffreich sein. Durch die Einarbeitung von organischem Material (Kompost oder verrottetem Laub) wird die Feuchtigkeitsspeicherung verbessert und die Bodenstruktur optimiert.
Ein entscheidender Faktor bei der Grossblättrigen Hortensie ist der pH-Wert:
- Sauerer Boden (pH < 6): Fördert die Aufnahme von Aluminium, was zu blauen Blüten führt.
- Neutraler bis alkalischer Boden (pH > 7): Blockiert die Aluminiumaufnahme, was rosa oder rote Blüten zur Folge hat.
Pflanzabstände von einem bis drei Meter, abhängig von der Sorte, sind einzuhalten, um eine gute Luftzirkulation zu gewährleisten und Pilzkrankheiten vorzubeugen.
Gezieltes Giessen, Düngen und der korrekte Schnitt
Besonders im ersten Standjahr ist eine konstante Versorgung mit Wasser entscheidend. Die Hortensie ist durstig; in Trockenperioden sind zwei- bis dreimal wöchentlich tiefe Wassergaben notwendig. Mulchen mit Rinde oder Stroh hilft, die Bodenfeuchtigkeit zu halten und die Wurzeln zu kühlen.
Die Nährstoffzufuhr sollte im Frühjahr mit einem ausgewogenen Langzeitdünger (z.B. 10-10-10) beginnen. Bei Grossblättrigen Hortensien kann im Hochsommer ein phosphorreicher Dünger die Blühfreudigkeit steigern.
Für die kontrollierte Farbveränderung sind gezielte Massnahmen nötig:
- Für blaue Blüten: Anwendung von Aluminiumsulfat oder speziellen Säurebildnern zur Senkung des pH-Werts auf 5.2–5.5.
- Für rosa Blüten: Zugabe von Gartenkalk, um den pH-Wert über 6.5 anzuheben.
Eine Überdüngung mit Stickstoff sollte vermieden werden, da dies zu üppigem Blattwachstum auf Kosten der Blüten führen kann.
Schnittführung nach Blühverhalten
Der Schnittzeitpunkt ist abhängig davon, ob die Hortensie am alten oder neuen Holz blüht:
| Art | Blüht an | Schnittzeitpunkt | Zweck |
| :— | :— | :— | :— |
| Grossblättrige | Altem Holz | Sofort nach der Blüte (Spätsommer) | Formgebung, Entfernung alter Blüten. |
| Rispen- und Wald-Hortensie | Neuem Holz | Später Winter oder frühes Frühjahr | Förderung kräftiger neuer Triebe und Blüten. |
| Eichenblatt-Hortensie | Altem Holz | Nach der Blüte, minimal | Pflegeschnitt; nur tote Bereiche entfernen. |
Krankheitsprävention und Überwinterung
Hortensien sind generell robust, können aber anfällig für Schädlinge wie Blattläuse oder Spinnmilben sein, die mit Gartenöl oder einem starken Wasserstrahl bekämpft werden können. Mehltau tritt häufig bei schlechter Belüftung auf; eine Optimierung des Standorts und das Entfernen befallener Blätter sind präventiv wirksam. Staunässe muss unbedingt vermieden werden, um Wurzelfäule zu verhindern.
In kälteren Lagen benötigen Grossblättrige und Eichenblatt-Hortensien im Winter einen Schutz aus Laub oder Vlies, um die überlebenswichtigen Blütenknospen am alten Holz vor Frostschäden zu bewahren.
Die Hortensie bietet somit über das ganze Jahr hinweg Schönheit und Interaktion. Durch konsequente Beachtung der spezifischen Ansprüche können Gärtner nicht nur gesunde, üppig blühende Sträucher kultivieren, sondern auch aktiv an der faszinierenden Farbchemie ihrer Blüten mitwirken.