Ein ehemaliger Drogenabhängiger mit null Punkten in der Schulprüfung gründete aus Liebe zu seiner Frau einen erfolgreichen Online-Blumenladen – heute setzt er mit seiner Firma auf emotionale Botschaften.
Zürich/Hongkong – Ken, Gründer des Online-Blumengeschäfts «M Florist», hat einen steinigen Weg hinter sich. Der heute 40-Jährige wuchs in einer Sozialwohnung auf, hatte null Punkte in der zentralen Abschlussprüfung, geriet in schlechte Gesellschaft und verfiel sogar Drogen. Heute führt er einen Betrieb mit einem Jahresumsatz von rund 600‘000 Franken. Seine Geschichte zeigt, wie tiefe Täler und unerwartete Wendungen zu einem völlig neuen Lebensentwurf führen können.
Kindheit in schwierigen Verhältnissen
Ken wuchs in einem einfachen Zuhause auf. Sein Vater arbeitete lange in Festlandchina in der Metallbranche, die Mutter war ebenfalls berufstätig. Die meiste Zeit verbrachte er mit seinem älteren Bruder oder bei der Tante. In der Sekundarschule wurde er rebellisch, hing mit Gleichaltrigen aus der Wohnsiedlung herum und verlor jedes Interesse am Lernen. Unter dem Einfluss von falschen Freunden geriet er in die Drogenszene.
«Ich war oft in Nachtclubs, liess mich zum Konsum überreden, und mein Leben geriet völlig aus den Fugen», erinnert sich Ken. Nach der Prüfung, die er praktisch leer abgab, hatte er keinerlei Ziel. Er kam erst am frühen Morgen nach Hause, manchmal betrunken. Seine Mutter wartete jede Nacht auf ihn – das brachte ihn schliesslich zum Nachdenken.
Neuanfang in der Fabrik
Ken beschloss, sein Leben zu ändern. Er brach den Kontakt zu seinem alten Umfeld ab, nahm eine Stelle in einer Fabrik an, die ihm ein Verwandter vermittelt hatte. Von dort wechselte er später in den Einkauf, wo er häufig auf Englisch mit ausländischen Kunden kommunizieren musste. Das fehlende Sprachniveau trieb ihn an: Er meldete sich für Englischkurse an und hörte zur Weiterbildung englische Sendungen.
«Einmal musste ich vor einem ausländischen Team eine Präsentation halten. Eine Woche lang übte ich jede Nacht bis spät. Am Ende gelang es – das gab mir enormes Selbstvertrauen.»
Die Liebe als Antrieb
Nach rund zehn Jahren im Beruf lernte Ken seine heutige Frau kennen. Sie liebt Blumen. Als er mit ihr Blumen aussuchte, bemerkte er, wie begrenzt die Auswahl auf dem Markt war. Gleichzeitig gewann der Online-Handel an Bedeutung. Die Idee eines eigenen Internet-Blumenladens war geboren – mit dem Ziel, Freude zu schenken.
2017 investierte er all seine Ersparnisse in die Gründung von «M Florist». Anfangs fehlte es an Erfahrung: Er arbeitete praktisch rund um die Uhr, lieferte oft selbst aus, lernte durch Versuch und Irrtum. Die ersten beiden Jahre waren extrem hart. Doch er verbesserte unermüdlich Service und Produkte. Nach drei Jahren erreichte er die Gewinnschwelle. Heute liegt der Jahresumsatz bei rund 600’000 Franken.
Blumen als emotionale Stütze
Die Covid-19-Pandemie brachte zunächst einen Einbruch, doch dann stieg die Nachfrage nach Online-Bestellungen. Sogar Lieferungen in Quarantäne-Hotels gingen ein. Ken erlebte auch Nächte, in denen er wegen Lieferengpässen zum Blumenmarkt eilte, um frische Ware zu besorgen. Heute plant er die Vorräte besser.
Die Logistik bleibt eine Herausforderung: Frische Blumen sind empfindlich, Lieferungen erfordern Sorgfalt. Ken fuhr oft stundenlang quer durch Hongkong, nur um die Qualität zu sichern. «Die grösste Belohnung ist nicht der Umsatz, sondern das Lächeln der Empfänger. Glück ist ansteckend – dieses Gefühl macht jede Mühe wert», sagt er.
Blumen als Botschafter für mentale Gesundheit
Ken betont die positive Wirkung von Blumen auf die Stimmung. Seit er zu Hause frische Blumen aufstellt, fühle er sich ausgeglichener und reagiere weniger gereizt. In einem zunehmend umkämpften Online-Markt setzt er auf «Geschichten und Emotionen» als Differenzierungsmerkmal. Sein Sortiment umfasst spezielle Sträusse, die auf seelisches Wohlbefinden abzielen.
Ein tragisches Ereignis in der Familie gab den Ausschlag: Ein Angehöriger starb an den Folgen psychischer Probleme. Seitdem möchte Ken mit seinen Blumen nicht nur dekorieren, sondern emotionale Unterstützung bieten. «Blumen können Trost spenden, sie sind eine stille Begleitung», erklärt er.
Ausblick
Ken plant, sein Angebot weiter auszubauen und die Sensibilisierung für mentale Gesundheit in den Mittelpunkt zu stellen. Sein Beispiel zeigt, dass ein schwieriger Start im Leben nicht das Ende bedeuten muss – und dass manchmal die ungewöhnlichsten Wege zu den schönsten Blüten führen. Weitere Informationen unter mflorist.hk.